Kurze Geschichte Kautzens
Der Markt Kautzen wird am Ende des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Er entstand aus den Siedlungsbemühungen der Grafen von Raabs. Sitz der Herrschaft war die 1337 erstmals genannte Burg, später Schloss Illmau. Kautzen lag um die Jahrtausendwende im Siedlungsraum sowohl deutscher als auch tschechischer Kolonisten. Durch die unklare Grenzziehung kam es wiederholt zu Konflikten zwischen Böhmen und Österreich (u. a. 1040, 1177, 1179). Im Reichstag zu Eger im Jahr 1179 legte Kaiser Friedrich Barbarossa die damals lange umstrittene Grenze zwischen Böhmen und Österreich in groben Zügen fest.
1520 wird Kautzen erstmals als Markt bezeichnet.
Die Grenzlage Kautzens prägte die Geschichte maßgeblich: Wiederholt kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, insbesondere während der Hussitenkriege von 1421 - 1434 und während des Dreißigjährigen Krieges 1618 - 1648
Ab dem 17. Jahrhundert begann eine Glas- und Papiererzeugung, später kam noch die Produktion von Textilien dazu. Das Schloss Illmau wurde zeitweise als Glas- und Papierfabrik genutzt. Pfarrort ist Kautzen schon seit dem 14. Jahrhundert, die Kirche ist dem Heiligen Jakobus dem Älteren geweiht.
Die heutige Marktgemeinde Kautzen entstand durch die große Gemeindereform in den 1960er/70er Jahren: Die ursprünglich eigenständigen Dörfer Illmau (1965), Engelbrechts, Großtaxen, Reinberg‑Dobersberg und Tiefenbach (1971) wurden eingegliedert. Weitere Orte im Gemeindegebiet sind Kleingerharts, Kleintaxen, Pleßberg, und Triglas. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erlebte Kautzen seine höchste Einwohnerzahl. Infolge des Strukturwandels in der Landwirtschaft und der Textilindustrie ging die Bevölkerungszahl nach 1950 stetig zurück. Die jüdische Bewohnerschaft musste den Ort im September 1938 verlassen.
In den 1980er und 1990er Jahren machte die Marktgemeinde mit mehreren Preisen - so mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis, dem Europäischen Solarpreis und dem NÖ Umweltpreis für Pionierprojekte in den Bereichen erneuerbare Energieträger und Dorferneuerung - überregional auf sich aufmerksam. Bekanntheit erlangte Kautzen auch durch die mitten im Wald liegenden, legendenumwobenen Steinformationen („Platz des Skorpions"), die als Kraftplatz gelten und zeitweilig zum „UFO-Landeplatz“ mutierten. Das alternative Festival „Seedcamp“ lockte jährlich tausende Besucher in die Gemeinde. Bald nach der Grenzöffnung 1989 schloss die Gemeinde eine Partnerschaft mit dem tschechischen Nachbarort Staré Město pod Landstejnem (Altstadt) und Moravské Budějovice (Mährisch Budwitz).
Neben seinem regen Vereinsleben ist Kautzen auch bekannt als Herkunfts- und Wohnort von Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur (Hanns-Guido Koch, Arnulf Neuwirth, Manfred Stein), Sport (Erwin und Walter Pektor, Gregor Högler), Wirtschaft (Otto Prosenbauer), katholischer Geistlichkeit (Ludwig Donin, Alois Steger; Franz, Karl und Othmar Rauscher) und Wissenschaft (Rudolf Dettelmayer, Christian Kaseß, Hans Moravec, Heinrich Rauscher, Niklas Perzi)
Detailliertere Information zur Gemeindegeschichte finden Sie in diesen PDF-Dokumenten: